Samstag, 1. Februar 2025

Westafrika 10 Serrekunda und The Gambia

Banjul sieht normal aus. Weniger afrikanisch. Auch sauberer und scheinbar moderner.

Endlich angekommen in meiner Unterkunft in Serrekunda! Die Besitzerin, J, ist eine supernette Engländerin, die schon ewig in Westafrika lebt.

Nach einer dringend nötigen Dusche saß ich mit ihr und einem chinesischen Gast zusammen. Wir quatschten kurz, und dann meinte sie: „Lass uns in ein Lokal mit Livemusik gehen!“ Klang gut, also warum nicht?

Aber vorher wollte ich noch T treffen, einen jungen Niederländer, der gerade in Banjul und Serrekunda unterwegs ist. Wir hatten über Couchsurfing Kontakt. Also ab zu ihm! Er war in einer Beachbar – nur ein Kilometer entfernt. Über die Autobahn.

Die Bar war, wie viele hier, direkt am Strand – wirklich direkt. Auch wenn es schon dunkel war, konnte man die Atmosphäre des Ozeans spüren. Die Geräusche der Wellen, die warme Brise, der Sand unter den Füßen. T saß dort mit zwei älteren niederländischen Frauen und einem jungen Gambier, der angeblich der Freund einer der beiden war – sie war um die 65.

Später erzählten mir sowohl T als auch J, dass es in Gambia ziemlich häufig vorkommt, dass ältere europäische Frauen, besonders aus den Niederlanden, hierherkommen und junge gambische Liebhaber haben. Und umgekehrt genauso. Ich habe das in den nächsten Tagen mehrfach mit eigenen Augen gesehen. Natürlich geht es ums Geld, aber offenbar nicht nur. T meinte, diese niederländische Frau gebe absichtlich kein Geld an ihren jungen Freund ab – wie viel davon stimmt, weiß ich nicht. J sah das Ganze kritischer und meinte, es sei *nur* Geld. Ich selbst fand es nicht schlimm. Das ist eine Form von Prostitution, und mit dieser Branche habe ich grundsätzlich kein Problem. Es gibt einen Markt, ein Angebot und eine Nachfrage.

Den Rest des Abends verbrachte ich mit J und T, und es war unglaublich spannend. Beide hatten bewegte Leben und wahnsinnig viele interessante Geschichten zu erzählen. T, obwohl er noch jung war, hatte eine beeindruckende Erfahrung und eine Menge Wissen. Er sprach viele Sprachen, kannte sich mit Genetik aus, obwohl er in einem ganz anderen Bereich arbeitete. Er war in Gambia, weil ihm eine Stelle angeboten wurde, und er wollte sich erst ein Bild von der Lage machen, bevor er zusagte.

Das Essen im Restaurant war leider nicht besonders gut, und die Livemusik war auch nicht das, was ich erwartet hatte. Trotzdem war es ein schöner Abend. Die Unterkunft war eine gute Wahl – und das für weniger als 20 €. Ich verstehe die Preisstruktur hier nicht so ganz. Serrekunda ist generell teurer als Senegal, wenn es um Essen, Trinken und Transport geht. Aber Wasser kostet nur minimal mehr, und Unterkünfte sind teilweise sogar günstiger. Seltsame Verhältnisse.

Am nächsten Morgen lag ich lange im Bett, doch gegen 11:30 machte ich mich auf den Weg. Ich wollte mal schauen, wie es außerhalb der schicken, touristischen Küstengegend aussieht, und lief Richtung Osten und Süden, weiter ins Landesinnere. Natürlich war es dort nicht mehr so ordentlich und aufgeräumt.

Trotzdem merkt man, dass Gambia anders ist als Senegal. Es gibt kaum Eselkarren, und auch Schafe und Ziegen sieht man nicht so oft. Dafür sind Hunde und Katzen überall. Die Straßen sind sauberer als in den Städten, die ich vorher besucht hatte. Und es gibt viel mehr Alkohol – gleichzeitig aber auch mehr Religion. Überall sind Koranschulen, und ich habe sogar Babys mit Kopftüchern gesehen, während ihre Mütter schulterfreie Tops trugen. Ein ganz anderes Verständnis vom Islam. Ich hatte nie Probleme, mit Frauen zu sprechen.

Die Geschäftigkeit in Serrekunda ist etwas geringer als in Senegal – es gibt nicht an jeder Ecke jemanden, der irgendetwas verkauft oder repariert oder einfach nur rumsteht.

Hier ist eine kleine Fotoserie von meinem Spaziergang – etwa 20 Kilometer quer durch die Stadt.

Sobald ein Viertel ärmer wird, kommen dieser Wasserhähne in der Wand. Es gibt dann Frauen, die große Eimer mit Wasser füllen, und diese auf dem Kopf nach Hause tragen. Wahrscheinlich haben nicht alle fließendes Wasser zu Hause.

Falls ich das noch nicht erwähnt habe, der häufigste Laden seit Nouakchott bis jetzt ist dieser: Geldtransfer.

Und dann diese Mangobäume. Überall Mangobäume. Wahnsinnig viele Mangobäume. Schöne große grüne Mangobäume. Beneidenswert. Überall Blüten und erste kleine Früchtchen.

Einmal hat mich eine Frau am Straßenrand angesprochen. Sie saß und hat ihr Kind gestillt. Sie lud mich ein, um mich zu ihr zu setzen. Sie habe Reis gekocht und wir können den teilen. Irgendwie fühlte ich mich komisch. Wir unterhielten uns, während sie weiterhin stillte. Sie trug ein Kopftuch. Im Nachhinein bedauerte ich es ein bisschen, dass ich abgelehnt habe.

Dieser Baum schert aus. Der hat richtige Früchte dran. Ich weiß nicht, wieso.

Der Strand ist einfach traumhaft – kilometerlang, feiner Sand und fast menschenleer. Wenn es ein Hotel mit Infinity-Pool wäre, würde es dafür locker fünf Sterne abstauben.

Abends war ich wieder mit T unterwegs, diesmal auch mit J. Wir hatten wieder eine dieser „Was machen wir eigentlich mit unserem Leben?“-Gespräche. Dabei kam das Thema auf, dass Gambia als Afrika-Light bekannt ist – quasi die sanfte Einstiegsdroge für Westafrika. Und ehrlich gesagt, genau das dachte ich mir tagsüber auch. Falls also jemand von euch mal Bock hat, Westafrika zu erkunden, aber sich nicht gleich ins totale Chaos stürzen möchte – Gambia ist der perfekte Start! Man bekommt den vollen Afrika-Vibe, aber in einer entspannten Version. Die Strände? Gigantisch. Riesig. Wunderschön. Die Leute? Super nett. Die Preise? Absolut in Ordnung. Und wer nach ein paar Tagen genug vom Sonnenbaden hat, kann ins Landesinnere fahren und sich das echte Gambia anschauen. Und für die ganz Abenteuerlustigen gibt es dann eine fünftägige Tour ins Saloum-Delta – quasi das halbe „Hard Mode“-Upgrade.

Sonntagmorgen hatte ich den ambitionierten Plan, joggen zu gehen. Hat natürlich nicht geklappt. Ich fühlte mich ein bisschen kränklich und entschied mich stattdessen für einen gemütlichen Spaziergang. Ich will euch ja nicht mit noch mehr Strandfotos langweilen – aber glaubt mir, es war mal wieder Bilderbuch-Postkarten-Idylle. 😏

Am Abend wollte J mit dem Auto an den südlichen Teil des Strandes fahren, weil es dort angeblich noch schönere Strände geben soll. Ich frage mich: Wie kann das überhaupt noch schöner sein?! Bis dahin stand ein Tag voller Haushaltspflichten an – Wäsche waschen, ein bisschen essen (T und ich waren gestern im libanesischen Supermarkt, der nur sündhaft teure Importware hatte – aber hey, wir haben Hummus und Tahini abgestaubt!) und einfach chillen.

Eine kleine Sorge schlich sich dann doch ein: Wie komme ich eigentlich von hier nach Ziguinchor? Ich finde in Serrekunda einfach keinen guten Startpunkt für die Reise. Aber gut, das ist ein Problem für zukünftiges Ich.

Der Abend war dann sehr entspannt, aber auch unspektakulär. Wir sind zu einem anderen Strand gefahren, haben in einem kleinen Restaurant direkt am Wasser gesessen und einfach die Zeit genossen. Der Strand war – Überraschung! – genauso schön wie der andere. Das Highlight des Abends? Lustige Affen, die durch die Gegend gehüpft sind. Strand, gutes Essen und Affen – was will man mehr?

Wir spielten Rummy mit J, ihrer Tochter und T. Wir aßen lecker Fisch. Und alles schön am atlantischen Ozean. Junge Männer spielten am Strand Fußball.

Dann nach Hause. Nun warte ich, bis jemand uns abholt, um zu einer Reggae Party zu fahren. Ich bin gespannt, wie die Musik sein wird.

er kam nicht (bzw. Über eine Stunde später). Daher zogen J, T und ich zum Nigeria Chicken dann die Partymeile in Serrekunda: Sengambia. Crazy.

Morgen früh steh ich auf und fahre nach Ziguinchor. Ich hoffe, die Reise wird gut gelingen. In Ziguinchor habe ich bereits ein Couchsurfing-Gastgeber. Immerhin.

Westafrika 9 Toubacouta nach Serrekunda

Alpha erzählte mir, dass die Reise vollständig unproblematisch ist. Beruhigend.

Ich ginge zu Fuß zur Bushaltestelle. Ich wurde dort von vielen angequatscht. Es war aber, wie bisher immer, nicht schlimm.

Letztendlich nahm ich ein SUV mit drei Männern drin, die ohnehin dorthin fahren. Also eine Mitfahrgelegenheit.

Der Beifahrer war ein Lehrer aus Gambia. Dennoch gab es Geld-Verhandlungen. Das habe ich nicht erwartet und er verlangte relativ viel. Aber ja nun. Dafür eine extra bequeme Fahrt. Seit dem Mercedes in Nouakchott ist das das beste Auto😄.

20 km später, in Karang, an der Grenze zu The Gambia, habe ich meinen Ausreisestempel und meinen Einreisestempel eingeholt. Beides vollständig unproblematisch und sehr schnell.

Ich hab auch Geld gewechselt. Das war auch schnell und einfach. Die Wechselkurse hier sind viel besser als in Deutschland. In D sind sie richtige Halsabschneider mit bis zu 15% unterm offiziellen Kurs. Hier in Afrika eher so um 1,5%.

Dann sind wir weiter gefahren, nach Barang. In Barang setzt die Fähre nach Banjul, der Hauptstadt von The Gambia, ab. Mit mir geblieben war der dritte Reisende. Badu. Badu ist auch ein Lehrer. Er fuhr nach The Gambia, um Möbel zu holen. Er will echtes Leder haben, und das gibt es nicht in Senegal. Badu fühlte sich für mich verantwortlich. Das war das gleiche Gefühl, wie mit Billy. Der hielt mich manchmal wirklich an die Hand und hat mir nicht erlaubt, links und rechts zu gehen. Ich war auch kurz davor, ärgerlich zu werden. Dann ließe ich es über mich ergehen. Die Interaktion mit den Leuten hier ist irgendwie einerseits super nett und freundlich, doch nicht zufriedenstellend.

Badu ist ein Gläubiger Moslem. Er erzählte mir, wie schlecht er es findet, dass alle weg wollen. Das überschneidet sich mit meiner Meinung. Er hat mich auch nach meiner Meinung über die Frauen hier gefragt. Diese Frage bekomme ich zum ersten Mal gestellt. Ich wusste nicht, wie ich antworten soll. Dann hab ich vorsichtig, aber mit Hand-Andeutungen, erzählt, dass ich es schön finde, dass die Frauen hier solche enge Taille und . . . da unterbrach er mich lachend und sagte „Coca-Cola Flasche“. Ich hätte den Begriff nicht benutzt 😇, doch dieser passt 🙃

Wir haben ewig auf die Fähre gewartet. Sie lag zwar an, wurde aber nicht fertig. Im Wartebereich wuchs ein Mangobaum, unter dem ein Teil der Reisenden sich versammelte.

Die Mangobäume sind hier unendlich viele. In Mango-Saison, so in ein oder zwei Monaten, bekommt man wohl die Mangos hinterher geschmissen.

Dann endlich die Überfahrt. Es war heiß auf dem Deck, aber sonst angenehm.

In Banjul angekommen suchten wir nach einem Telefonanbieter. Wir fanden nicht das, was wir wollten, doch einen anderen Anbieter. Dort kaufte ich zu viel Datenvolumen, obwohl ich das nicht wollte. Die Verkäuferin insistierte, weil mir 1 GB niemals für drei Tage reichen würde. Ich hab versucht ihr zu erklären, dass ich nicht die ganze Zeit auf Facebook und TikTok Videos anschaue, sondern nur lese und schreibe. Keine Chance. Ich kaufte. Es war ohnehin sehr günstig.

Dann fanden wir ein Taxi, das uns von Banjul nach Serrekunda nimmt. Banjul ist zwar die Hauptstadt von The Gambia, ist aber relativ klein. Serrekunda ist der Ort, an dem das Leben gibt.

Der Preis hat sich angeblich verdoppelt, weil ich im Taxis saß. Auch Badu zahlte angeblich mehr Geld, als er sollte. In Serrekunda angekommen wollte der Taxifahrer, um mich zu meinem Hotel zu bringen, eine Town Trip mir anbieten. Für 300 Dalasi. Ich dachte, für die kommenden 4 km 300 Dalasi und für die letzten 15 km von allen Passagiere zusammen 200 Dalasi (unter der Annahme, die anderen zahlten wie ich und nicht weniger) ist wieder doof. Ich bin bereit, mehr zu bezahlen. Aber doch nicht das Doppelte oder das Dreifache. Mir ging’s häufig nicht ums Geld an sich, sondern um das Gefühl, verarscht zu werden. Später erfuhr ich, dass 250-300 Dalasi für eine Towntrip normal sind. Shit. Man wird paranoid.

Ich lehnte ab und stieg aus. Badu kam mit und fühlte sich weiterhin verantwortlich. Er war auch unzufrieden, dass ich ihm keine genaue Adresse vom Hotel geben kann. Ich habe ihm die genaue Adresse gegeben (C9XP+Z5 3RA Serrekunda), doch diese hilft nicht. Nur weil ich in einem kleinen Gästehaus unterkomme, das keiner kennt und somit keine Angabe für einen Taxifahrer wäre, ist nicht meine Schuld. Als ob hier alles eine Adresse hätte 🤪

Wir standen an einer Kreuzung. Dort quatscht er einen Jungen an, der dann versprach, mich mitzunehmen. Somit hatte ich einen weiteren Betreuer. Doch das war ein sehr junger Junge, elf oder zwölf Jahre nur. Wir warteten ein bisschen, dann kam ein Sammel-Taxi, in das wir mit Gedränge eingestiegen sind. Nach 10 Minuten stieg der Junge aus und wollte, dass ich aussteige. Ich sagte, nein, ich sitze hier richtig. Das war tatsächlich so. Das Auto brachte mich dann auf eine Entfernung von 1,5 km zu meiner Unterkunft. Den Rest habe ich zu Fuß gemacht. Auf dem Weg habe ich diese frittierten Teigdinger gegessen und Wasser gekauft.

Ich war dann erst nach 19:00 Uhr im Hotel. Ich startete um 12:30 Uhr. Sechseinhalb Stunden für nicht mal 100 km. Und ich war am Arsch. Als ich geduscht habe, kam braunes Wasser von mir runter. Ich vermute, ich werde hier noch dreckiger als die Afrikaner, weil ich mich andauernd mit Sonnenschutzcreme einschmieren. D.h., der Staub klebt förmlich an mir.

Dubai

Es gibt viele Flüge von Riad nach Dubai. Ob sich eine Bahnschiene nicht lohnen würde? Es sind ein wenig mehr als 1000km. Sonstiger öffentlic...