Freitag, 14. März 2025

Dubai

Es gibt viele Flüge von Riad nach Dubai. Ob sich eine Bahnschiene nicht lohnen würde? Es sind ein wenig mehr als 1000km. Sonstiger öffentlicher Verkehr dazwischen gibt es aber nicht. Auf dem Foto unten ist übrigens Sharja . . . ich saß wohl auf der falschen Flugzeugseite.


In Dubai habe ich den Metro genommen. Auch schön, hübscher als in Deutschland, aber nicht so krass fancy wie in Riad. Hier klebt ein ordentliches Plakat mit den Routen und den verschiedenen Haltestellen. In Riad ist es ein Bildschirm mit Animation. Nach 50 Minuten bin ich in JRB gelandet. Jumeira Residency Beach. Alles hier hat coole Namen. The Greens. The Marina. Blue Waters. Super Geil. Ichhabegeld. The Springs. etc. Aber Jumeira gefällt mir als Name (das "J" spricht sich wie in "Jeans" aus). Das heißt nämlich eine kleine Glut bzw. ein Glütchen. Also ein kleines "Jamra". Allerdings, wenn ich sehe, wie es auf Arabisch geschrieben wird, muss ich zugeben, dass es eher das weibliche Adjektiv vom Wort Glut ist. Also die „Glütende“ oder „Glühende“ oder gar "Glütige"? Zu weit außerhalb meiner Kompetenz, wenn dieses Wort auf Deutsch überhaupt gibt. Ich habe jetzt keine Lust, nach dem Wort zu schlagen.

Ahmad hat mich an der Metro-Station abgeholt. Es wurde etwas kompliziert, weil ich kein Internet hatte. Sim aus Saudi Arabien roamt doch nicht, neue aus Dubai hat nicht funktioniert. Die deutsche Sim tief im Koffer. Es hat aber geklappt! Ich holte mir von einem Verkäufer Hotspot und habe Ahmad informiert, wo ich genau bin. Alle Menschen auf der ganzen Welt sind so nett. Einfach fragen.

Ich packte meinen Koffer bei Ahmad aus und habe ihm die Wohnung mit meinem, wie er es beschrieb, "Magen- und Darmdünger" versaut. Das Glas mit Flohsamenschalen und co. war im Koffer wohl doch offen und Ahmad meinte, das war als ob ich ein Sack Zement auf seinen Boden schüttete. Die Story wird er in den kommenden 7 Tagen bestimmt 10 Mal wiederholen, jedes Mal mit etwas mehr Pfeffer. Eine Freude war es, ihm dabei zuzuhören :) Jedenfalls genoss ich die Zeit mit und bei Ahmad sehr!

Wir hatten dann einen schönen Spaziergang in der Gegend. Marina. JRB. Blue Waters. Alles wirklich sehr schön. Die Menschen ausgelassen und sehr gepflegt. Etwas, was man zwar übertreiben kann, was aber in Deutschland wiederum zu kurz kommt. Hier sieht man, dass die Menschen (ich habe ein Auge mehr für Frauen, aber auch Männer sind es) sich gut kleiden, wenn sie aus dem Haus gehen. Gerade ich bin in Deutschland genau das Gegenteil. Ich denke, ich werde ein Körnchen mehr darauf achten. Es macht schon was aus, wenn die Menschen um einen gepflegt und aufgehübscht sind.

In Dubai ist alles größer. Das Eye of Dubai, also das Riesenrad, ist z.B. 250m hoch (in London 135). So ist es überall. Riad ist auf dem Weg dahin. 


Ich dürfte im Bett schlafen, Ahmad auf dem Sofa. Ohje. Am nächsten Tag tranken wir ewig Kaffee, dann schwammen wir im Pool vom Gebäudekomplex. Ahmad wohnt in einem Gebäude-Komplex von 6 Hochhäusern von je 28 Etagen. Sie heißen Murjan (das "J" immer wie in "Jeans" aussprechen). Das bedeutet "Korallen". Wie alles hier ist der Name besonders. In Deutschland sind wir nicht so streng. Wobei . . . ich wohne ja auch im "Klangwerk".

Dann ein Nickerchen. Alles gemach gemach. Dann in eine Bar gegangen. Ein Bier kostet 15Euro. Billigerer Alkohol gibt es nicht. Krass. Wir trafen uns dann auch mit Yanal, auch ein Freund aus den alten Zeiten. Herrlich, wenn man ins Alter von 20 zurückfällt, einfach so, mit einem Fingerschnippen.

Ich hatte in Dubai und in Riad SO VIEL Diskussion über Luxus und nicht Luxus. Als wir in einem Café saßen, fuhren an uns dieselben Autos immer wieder vorbei, brüllend und angeberisch. Lamborghini. Ferrari. etc. Alle offensichtlich nicht bequem. Sehr flach. Viele Freunde hier in Dubai (und in Riyad) können nicht glauben, dass ich mit meinem Lebensstandard zufrieden und glücklich bin. Sie sind überzeugt, dass ich geizig bin oder dass ich nicht genug Geld habe. Sie können es nicht verstehen, dass ich auf einen anderen Job mit mehr Geld verzichten könnte oder dass ich es nicht abwäge, nach Dubai oder Riad zu kommen, nur weil ich "hier als Experte bestimmt viel mehr Geld bekommen würde, so dass ich mich dann verwöhnen kann". Dass ich kein zweites Auto kaufe oder dass ich kein cooles, schönes Auto brauche, dass ich nicht aller paar Monate in einen luxuriösen Urlaub fliege, teure Kleidung kaufe, das neueste Handy, dass ich das alles wirklich nicht brauche, glaubt man hier kaum. Eher denken die Leute, ich erzähle das nur weil ich es nicht habe. Dann fangen sie wieder an, es mir schmackhaft zu machen, in Dubai viel Geld zu verdienen. Dabei haben ALLE sich beschwert, dass sie so viel arbeiten müssen und wie Scheiße das alles sei. Es war immer unklar, ob sie sich nur beklagen wollen oder ob sie auch indirekt sagen möchten, dass sie deswegen besser sind als ich, weil ich vermeintlich Zeit habe. Ehrlich gesagt bin ich auch nicht sicher, ob alle auch die Wahrheit sagen; arbeiten alle wirklich so viel oder es gehört zum guten Ton, das zu behaupten? 

Fun fact: CO2 Emmission per Capita in UAE und KSA ist über 20Tonnen im Jahr, in USA 15, Deutschland 7, Weltdurchschnitt 5 und in Guinea Bissau 0,1. Fuck you.

Ich bin froh, dass ich knapp 50 bin. Mit 30 hätte man mich womöglich beeinflussen können. Dennoch, um ehrlich zu sein: es ist schon attraktiv in Dubai und ich bin nicht grundsätzlich und immer dagegen. Ich würde nur nicht es besonders hart verfolgen oder als ein geklärtes Ziel darstellen. Klar, wenn ich in Dubai wohnen würde, dann muss es ein super Apartment sein. Wenn schon denn schon. Übrigens: das fände ich sogar umwelttechnisch fein, denn solche Hochhäuser sind effizient und nehmen wenig Land weg. Ob ich an der Konsumgesellschaft teilnehme, weiß ich nicht. Sie ist schon krass. Dass das einzige Ziel ist, mehr Geld zu machen, ist einfach hässlich. Ich behaupte, in Deutschland ist es nicht in diesem Ausmaß. Auch als ich in Syrien war, habe ich es in dieser Form nicht wahrgenommen. Wobei damals schlicht kein Geld gab. Außerdem ist es 25 Jahre her. Alles ist in Flow.

Oh Mann! Diese teuren Autos, die andauernd Runden drehen . . . . arme Geister. Wen wollen sie damit beeindrucken. Sie sind nur laut und stören. Schaut, was mal so eben in der Tiefgarage von Ahmad parkt.


Ab jetzt schreibe ich im Oktober 2025, 7 Monate später. Ich wollte den Dubai Blog nicht mehr veröffentlichen, weil ich weiß, dass es negativ klingen könnte. Allerdings stimmt das nicht ganz. Denn in Dubai habe ich so viele Freunde getroffen und habe so viele schöne Stunden verbracht!

Ein paar Fotos mit meinen Kommentaren:



An einem Abend traf ich mich mit Samar. Samar ist eine sehr alte Freundin, von vor fast 40 Jahren! Sie ist auch die Schwester von Faten, meiner sehr guten Freundin in Köln. Samar erzählte, wie sie Immobilienentwicklung in Dubai erlebt. Verrückt!

Ja, und da sieht man, welche hübschen Häuser hier gibt. Beeindruckend! Nicht billig billig oder nur hässlich. Das sind Häuser mit Stil.

Viele Strände. Alle sehr schön, mit guter Infrastruktur, bestes Wetter (im März). Hach, ich könnte dort länger bleiben.

Ja, und das Schönste in Dubai: die vielen Freunde! Hier sind ab 12 Uhr Obaida, Muhanad, ich Yanal, Marwan und Ahmad. Das war ein echt schöner Abend am Strand nach einem leckeren Fastenbrechen. Ich war ja dort in Ramadan.

In der Bar mit Ahmad und Yanal.

Nach einer anderen Bar, in so einem überdachten Markt auf alt gemacht. Sehr schön. Ahmad, Muhanad, Tareq, ich und Yanal

Dieses Haus sieht man vom Metro und bei jeder Nord-Süd-Fahrt auf der Autobahn. Sehr schön und jedes Mal atemberaubend. Ich meine, drin ist ein Museum. Wahrscheinlich für Kaligraphie :-D

Und noch ein Fastenbrechen. Ich liebe Fastenbrechne :) Hier mit Marwan, mir, Obaida und dem anderen Ahmad


Noch ein Fastenbrechen. Dieses Mal mit Hasan, meinem ehemaligen Doktoranden und jetzigen Freund. Er ist nach Dubai, aus Deutschland, weil man dort mehr Geld macht und weniger Steuer zahlt. Ich bin gespannt, was sein finale Fazit sein wird. Ich ahne schon was.

Ah ja, in irgendeinem Mal, ich habe den Namen vergessen, gibt es eine Skihalle. Verrückt. Aber hier haben wir auch Tropical Island. Also nicht mit dem Finger auf wen zeigen :)

Künstliche Seen und Meerersbuchten mit Wolkenkratzer gesäumt und mit schönen Promenaden umzingelt, wirklich gut gemacht.

Hier heißt es nicht "Menschen mit Behinderung" Sondern "Entschlossene Menschen" oder "Menschen mit Willenskraft".
Allein das war der Reise wert!


Montag, 10. März 2025

Riad

Ich hatte kurz vor der Reise doch keine Lust und habe gehofft, es kommt was dazwischen und die Reise muss abgesagt werden. Quasi wie immer.

Es kamen keine passenden Ausreden. Der Flughafen wurde erst ein Tag später bestreikt und somit wurde mir die bestmögliche Ausrede weggenommen. Mit der S Bahn zum Flughafen. Es fällt mir auf, dass sie im Leipziger Flughafen bei den Kontrollen sehr streng sind. Ich behaupte, das liegt daran, dass sie Zeit bzw. wenig Passgieeraufkommen haben. In Frankfurt läuft es anders ab. Flug pünktlich, in Istanbul umgestiegen und dann auch weiterhin pünktlich. Übrigens, der neue Flughafen von Istanbul hat eine ähnliche, längliche Struktur wie der Alte. Der Neue ist aber riesengroß. Dieser Flughafen ist den Türken gut gelungen. Wir sollten uns mal eine Scheibe abschneiden.

Der Flughafen in Riad ist eine Mischung aus Leipzig und Istanbul. Leer und riesengroß. Als ich ankam, war ich noch müde. Ich suchte mir eine gepolsterte Bank und hab noch ein bisschen geschlafen. Dann ginge ich in den Gebetsraum und habe mich frisch gemacht und meine ordentlichen Sachen angezogen.

Taxi oder Metro?

Metro natürlich.

So ein cooler Metro. Modern und sauber. Es gibt Abteile für Singles und welche für Familien (also Frauen) und es gibt auch eine "First Class" Waggon. Alles elektronisch und mit viel Schnickschnack. Das Metro in Riad ist nigelnagelneu, nur wenige Monate her.


Nach dem Umsteigen müsste ich auf einen Bus warten. Die Haltestellen hier sind klimatisiert. Das klingt absurd, sei aber in der heißen Hälfte des Jahres unabdingbar, wenn man möchte, dass irgendwer den benutzt.

Das dauerte mir aber mit dem Warten zu lang. Ich nahm daher einen Taxi. Nicht so eine gute Entscheidung. Der Fahrer fuhr falsch und meinte, es sei mein Fehler, weil ich die Angabe sungenau machte. Das kann wahr sein, doch ich bin nicht überzeugt. Ab jetzt fahre ich Uber und co (heißen hier auch Careem und Bolt).

Ich bin dann direkt zum Krankenhauskampus gefahren. Ein riesengroßer Campus (und nicht der einzige Riad . . . ). Research Center und Center for Genomics gefunden. Meine Gastgeberin wurde angerufen und hat mich dann abgeholt. Jetzt sitze ich mit ihr und einem Kollegen in einem kleinen unordentlichen Büro und warte, weil sie noch sich auf was vorbereiten muss.

Mir war vorher nicht klar, dass es sich hier nur um Forschung geht und dass keine übliche Patientenversorgung bei ihr gibt. Das sei eine andere Abteilung. Mal schauen, ob man für mich Zeit haben würde. Wenn das heute nichts wird, mache ich morgen die Altstadt Riad, das Nationale Museum und schaue, ob ich das eine oder andere Geschenk besorgen kann. Meine Gastgeberin, L, führte mich durch zwei Labore. Sie sehen ähnlich wie unsere aus, aber weniger aufgeräumt :). Ich vermute, es liegt daran, dass diese Forschungslabore sind. In letzter Zeit sah ich fast nur zertifizierte, geleckte Diagnostiklabore.

Es passierte kaum was mehr und dann ginge ich zum AirbnB Apartment und schrieb eine enttäuschte Mail an L. Sie antworte schnell, es tat ihr leid und wir wollten am nächsten Tag mehr machen. 

Der Abend war so schön. Nach einem Mittagsschläfchen ginge ich für einen Spaziergang in der Stadt. Riad ist eine Stadt für Autos. Es ist nicht vorgesehen, dass Menschen auf ihren eigenen Beinen gehen. Angeblich ist alles im Wandel und die Stadt jetzt schon relevant besser als vor 10 Jahren. Entlang vollen Highways und durch unbelebte Zwischenstraßen gelang ich aber zu den wenigen, aber wunderschönen vollen Straßen der Sulemaniya. Aufgehübschte, breite Bürgersteige, schöne Läden und Restaurants und die Menschen sehr entspannt. Frauen mit Kopftuch, ohne Kopftuch, mit Burkah, Männer in typischen Kleid, in Jeans, in Shorts. Alle sitzen vor und in den Restaurants und Cafés und das Bild erinnert kein bisschen an das streng muslimische Saudi Arabien. Alle hier sind sehr froh über diese Entwicklungen und meinen, bei fast allen kommt es sehr gut an. Dabei hatte ich vorher Sorge, ich muss immer in die "Single Männer" Teile von Cafés gehen.


Jede Menge Fancy Häuser. Und VIEL Licht. Alles beleuchtet. Auch die privaten Wohnvillen, welche mit hohen Mauern eine Art Festung sind, sind beleuchtet, teilweise mit Scheinwerfern und die Palmen vorm Haus haben blinkende Weihnachtslichter. Restaurants und Cafés alle sehr hell. Hach. Ich mag das. Ich weiß aber, dass die meisten Lesenden sagen würden, dass mit so viel Licht es nicht kuschelig wird. Hier sehen sie es anders.

Und das Essen! Ein Traum. Man kann hier in Riad am Besten einen Essenurlaub machen. Sooooo lecker. Oh Mann. Schade, dass ich nicht noch mehr essen kann. Lauter Syrer, Libanesen, Ägypter, Palästinenser, Asiaten, Pizza, Amerikanisch, Jemeniten, Gerüche und alle möglichen Smoothies, Eis und Süßigkeiten. So viel. Und so lecker. Und relativ preiswert. So viel Essen in so guter Qualität auf den Straßen im Angebot habe ich noch nie gesehen. 

Ich traf mich dann mit meinen Kumpeln aus der Schulzeit. Ousama kenne ich seit der zweiten Klasse. Abou Bakr seit der 4. Und Ahmad kannte ich nicht so gut, aber immerhin seit der 10. Klasse. Alle sind jetzt schon älter, Kinder teilweise im Studium. Graue Bärte. Glatze. Man sieht das bei einem selbst nicht. Aber bei anderen in einer Art Spiegel. Es war ein sehr schöner Abend. Bis nach zwei morgens saßen wir (und dann wurde es auch kalt). Lockere Gespräche über die alten Zeiten aber auch interessante Gespräche über Politik in Syrien und in Deutschland und über soziale Themen. Mal für euch eine Auswahl von Sachen, die meine Freunde anders sehen als ich

- Man kann das Geld, was man den Geflüchteten gibt, an die Deutschen verteilen, so dass Kinderbekommen attraktiver und möglicher wird.

- Werbung für Homosexualität in den öffentlichen Schulen in Deutschland ist unangebracht. 

- Unterstützung von Homosexuellen ist nicht gut, weil das andere, die es in Wahrheit nicht sind, dazu bringt, es auch zu machen.

- Denn Homosexualität ist eher erworben. Wenn man davon nichts sieht oder erfährt, wird man das eher nicht.

- Transsexualität ist die schlimme Steigerung. So krass, dass man teilweise gegen den Willen der Eltern agieren kann und eine OP am Kind machen darf, auch wenn die Eltern diesem nicht zustimmen (angeblich so in Kanada)

- Und natürlich Themen über Syrien

Klingt für euch krass? Nein. Das ist die moderate Meinung von vielen Menschen in vielen Ländern. Sie nehmen an, sie sind tolerant genug, indem sie die Homosexuellen in Ruhe lassen, so lange diese für sich keine Werbung machen. Ich hatte dennoch eine schöne Zeit mit meinen Kumpeln. Durch solche Gespräche werde ich toleranter gegenüber Meinungen. Denn die Lösung, um gegen solche Meinungen anzukämpfen, ist nicht eingeschnappt weggehen, sondern darüber reden. Ich behaupte, sie sind nach dem Gespräch ein bisschen nachdenklicher geworden. In Deutschland kann man das auf AFD Wähler übertragen. Ich kenne mehrere und ich halte Kontakt zu denen. Gerade den Grünen wird nachgesagt, dass sie sich nur in ihrer Blase bewegen. Das kann ich mir vorstellen.

Am nächsten Tag haben wir, L. und ich, uns kurz unterhalten. Ich schaute ihrem Stunden über die Schulter, wie er (mit Excel) Exome auswertet. Ich schaute ihr auch kurz über die Schulter. Zu mehr kamen wir nicht.

Ich ging etwas eher nach Hause. Ich muss zugeben, dass ich mehr erwartet habe. Doch wahrscheinlich übertrage ich unsere Art in Deutschland zu sehr hierher. 

Dafür waren die Abende so schön!

Denn nach dem Mittagsschläfchen (bis 19 Uhr) und dem Spaziergang (bis 22 Uhr) traf ich mich erneut mit der Klicke (dazu dieses Mal noch Waseem) und wir hatten nicht so konfliktreiche aber dennoch schöne Unterhaltungen . . . . das Essen war wieder krass lecker. Hach. Erst um halbfünf am Morgen zuhause gewesen. Bis nach 12 geschlafen. Das ist Urlaub ✌


Ich blieb im Bett und habe ein paar Dinge erledigt und bin dann gegen 15 Uhr los gefahren zu dem Treffpunkt mit L. Sie schlug vor, dass wir gemeinsam zum Fastenbrechen essen. Na klar. Sie suchte einen genialen Ort aus. Das war in Al Turaif, quasi die Hauptstadt der Saudischen Dynastie vor Riyadh (und nur ca. 15km entfernt). Al Turaif und andere kleine Dörfer sind um einen Wadi (Tal mit saisonalem fließendem Wasser) und machen zusammen "Al Duriyaa". Das Palast und die Häuser sind mittlerweile ca. 250 Jahre alt und von den Othmanen bereits in 1818 zerstört. Die Restaurierung ist aber mit viel Liebe und VIEL Geld geschehen, mit Lichtern, Wegen, kleinen Ausstellungen, und davor eine Restaurant-Meile vom Feinsten. Sehr schön!

Mit L hatte ich sehr viele interessante Gespräche. Ich hatte einige Einblicke in die hochgebildete, offene Saudische Gesellschaft, die doch noch eine starke Bindung zur Familie und zur Religion hat. L erzählte mir viel über die Gesellschaft, die Stadt, sich selbst, Forschung und viel mehr. Das war der beste Teil der Reise. Der Teil, in dem ich neue, coole Menschen kennenlerne und über sie und ihr Leben erfahre. L. ist eine interessante und offene Frau. Sie bestand dann darauf, alles zu bezahlen und das war nicht wenig. Wir waren in einem so feinen (und leckeren) Restaurant, in dem der Kellner einem das Essen auf den Teller macht und das Wasser einschenkt.

Beim Abschied fragte mich der Chefkellner, woher in komme. "Aus Syrien". Er aus dem Libanon. Ich sagte "nun werden wir euch endlich in Ruhe lassen". Da sagte er "nun hat ER (Redaktion: gemeint ist Assad) uns alle endlich in Ruhe gelassen" und "Wir Libanesen mögen euch Syrer". "Ja, wir mögen auch die Libanesen. Ich bin ja quasi einer, weil mein Großvater aus Kfeir bei Hasbaia kommt". Das sprang der andere Kellner bei und sagte "Was!? Ich komme aus Kfeier". Ein krasser und schöner Zufall :) Die Welt ist irgendwie klein. Das Dorf ist ein kleines Loch im südlichen Libanon und die Gründstücke, die mein Großvater dort hatte, werden wahrscheinlich für immer an die Gemeinde zurückfallen, weil keiner sich kümmert. Auch gut.

Am nächsten Tag verließ ich das Apartment gegen 10 und besuchte auf dem Weg zum Flughafen das KAFD (Kind Abdullah Finance District). Ein Wolkenkratzer mit fast 80 Etagen, dazu weitere 93 Hochhäuser mit häufig über 20 oder 30 Etagen. Ein krasses Viertel, das mir überdimensioniert erschien. Doch vielleicht ist es besser, direkt groß zu bauen, als dass man während des Bauens mit der Erweiterung anfängt. Leider gab es dort kein Mall und ich konnte nicht schauen, was man sonst so kaufen könnte. Irgendwie bin ich beim Kaufen echt schlecht geworden . . .








Ab nach Dubai.

Samstag, 15. Februar 2025

Westafrika 17 Conakry nach Leipzig

Gegen 20 Uhr, nach ca. 35km Conakry, vielen Kaffees und Tees und am Straßenrand rumsitzen, habe ich meinen Rücksack im Hotel abgeholt. Ich fragte dann, ob ich ein Badezimmer für 20 Minuten haben darf, um mich zu waschen und umzuziehen. Das war möglich. Hach. Schön. Das zurecht gelegte Geld war wohl nicht notwendig. Doch einen Teil gab ich dennoch als Tip ab.

Ich war dann bereit für Reise. Es war noch ein bisschen zu früh. Ich ging in die Apotheke und dann in ein Restaurant, um das Geld los zu werden. Bier und Pommes.

Das Restaurant war nicht meine beste Entscheidung. 200m weiter gab es wirklich leckere Restaurants, lokal und mit gegrilltem Hähnchen. Tja. Jetzt habe ich kein Geld mehr.

Dann Taximoto und gesund, nicht selbstverständlich, angekommen. Es wäre ja auch echt schlimm, wenn auf der letzten Etappe was passiert.

Schaut mal, welche schönen Stempel ich gesammelt habe!


In Frankfurt nochmals Hani getroffen. Für ihn habe ich eine Box Zigaretten und Währungen aus allen Ländern mitgebracht und ich habe dann die Tüte in der S-Bahn vergessen. Shit. Hani ist aber ein cooler Typ. Er winkte ab und meinte, es gibt Schlimmeres.

In Leipzig wurde ich abgeholt und alles ist bestens. Als ich die Kinder auf mich rennend sah, wusste ich, was ich wirklich brauche und liebe.

Im Nachhinein ein paar Gedanken.

Man kann bei der Vorbereitung übertreiben. Moskitonetz braucht man z.B. um die Jahreszeit offensichtlich nicht. Und wenn schon, dann kann man nach der ersten leidvollen Nacht dort vor Ort was kaufen. Dort gibt es ja letztendlich alles. Das gleiche gilt auch für alle möglichen Schutzmittel. Womöglich kauft man sich in Deutschland die Malariaprophylaxe. Aber auch das, denke ich, würde es dort geben, wahrscheinlich günstiger.

Auch die vermeintlichen Geschenke, die ich mitgenommen habe, waren meistens Unfug. Es zeigt nur, wie wenig Ahnung ich von dort habe. Als ob die Leute sich über ein Multivitamin oder ein Deo wirklich freuen würden. Sehr albern von mir. Was sich ausgezahlt hat, sind die Maoams bzw. kleine Süßigkeiten. Diese zur Hand in der Tasche und bei Gelegenheit verteilen ist eine sehr nette Geste. Alle haben sich darüber sehr gefreut. Ob ein Bonbon, Maoam, oder Ähnliches, ist irrelevant. Schokolade ist leider ungünstig, obwohl diese sehr gut ankäme, wegen des Wetters. Wenn man also weiß, man hat eine Möglichkeit zum kühlen, dann ist Schokolade was Feines.

Alle Leute warnten mich vor der Reise, dass es unsicher sein könnte. Mindestens haben die Leute gefragt, ob ich sicher wäre, dass ich das möchte. Ich habe nirgendwo gelesen, dass es unsicher ist. Aufgrund der vielen Fragen wurde ich skeptisch. Nun, nach drei Wochen Afrika, kann ich nur sagen, dass ich mich durchgehend ganz sicher gefühlt habe. Ehrlich gesagt frage ich mich, woher dieser Ruf kommt. Wieso erlauben wir uns, so einen Ruf zu akzeptieren. Ist es unsere Arroganz, Ignoranz oder ist es einfach Rassismus?

Wenn ich ein blonde Frau wäre, wäre ich wahrscheinlich genau so sicher. Aber es könnte lästiger werden. Denn als nicht so "blonder" Mann musste ich viel Ansprache höflich abbügeln. Wenn ich blond und weiblich wäre, müsste ich davon vielleicht viel mehr abwehren. Oder auch viel weniger. Ich sah Alleinreisende europäische Frauen. Ich meine, sie wurden nicht belästigt.

Leider ist es so, dass eher die Doofen einen ansprechen oder gar belästigen. Die netten und anständigen Menschen lassen einen so oder so in Ruhe. Sinnvoller ist es immer, finde ich, wenn man selbst die Leute anspricht.

Meine Meinung, die ich nur zur Hälfte auslebe, wurde bestätigt, dass man weniger Material, weniger Luxus und auch weniger Arbeit braucht, um glücklicher zu werden. Denn nur so hat man Zeit zum Rumhängen, Abhängen, Quatschen, sich treffen, Etc. Wenn man ein hübsches Haus haben möchte, dann arbeitet man wie ein Verrückter, um das zu ermöglichen. Und wenn Zeit bleibt, dann repariert und putzt man am Haus rum. Wenn das an sich Spaß macht, dann schön. Sonst ist es albern. Lieber ein kleineres, weniger hübsches Haus und dafür Zeit, es zu genießen. 

Auch die Sicherheiten, die wir meinen zu brauchen, könnten ein bisschen zu viel sein.

Ich bin aber realistisch geblieben. Es ist nicht so, dass meine Begeisterung für die Menschen in Afrika bedeutet, dass ich lieber dort leben würde. In Deutschland geht es uns und mir viel besser.

Zusammengefasst: ich bin so froh, dass ich diese Chance hatte. Ich bin meiner Arbeit und meinen Kolleg:innen dankbar, dass ich ohne Not weg dürfte. Noch dankbarer bin ich Sandra. Sie hat mich ermutigt, meine Reise zu machen. Sie sagte mir, und hatte Recht, dass ich diese Reise brauche. Die ganze Zeit hat sie alles erledigt ohne ein einziges Mal mir das Gefühl zu geben, dass ich ihr was schulde. Ich weiß aber, dass ich das tue. Und zwar sehr gerne :)

Dubai

Es gibt viele Flüge von Riad nach Dubai. Ob sich eine Bahnschiene nicht lohnen würde? Es sind ein wenig mehr als 1000km. Sonstiger öffentlic...