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Westafrika 17 Conakry nach Leipzig

Gegen 20 Uhr, nach ca. 35km Conakry, vielen Kaffees und Tees und am Straßenrand rumsitzen, habe ich meinen Rücksack im Hotel abgeholt. Ich fragte dann, ob ich ein Badezimmer für 20 Minuten haben darf, um mich zu waschen und umzuziehen. Das war möglich. Hach. Schön. Das zurecht gelegte Geld war wohl nicht notwendig. Doch einen Teil gab ich dennoch als Tip ab.

Ich war dann bereit für Reise. Es war noch ein bisschen zu früh. Ich ging in die Apotheke und dann in ein Restaurant, um das Geld los zu werden. Bier und Pommes.

Das Restaurant war nicht meine beste Entscheidung. 200m weiter gab es wirklich leckere Restaurants, lokal und mit gegrilltem Hähnchen. Tja. Jetzt habe ich kein Geld mehr.

Dann Taximoto und gesund, nicht selbstverständlich, angekommen. Es wäre ja auch echt schlimm, wenn auf der letzten Etappe was passiert.

Schaut mal, welche schönen Stempel ich gesammelt habe!


In Frankfurt nochmals Hani getroffen. Für ihn habe ich eine Box Zigaretten und Währungen aus allen Ländern mitgebracht und ich habe dann die Tüte in der S-Bahn vergessen. Shit. Hani ist aber ein cooler Typ. Er winkte ab und meinte, es gibt Schlimmeres.

In Leipzig wurde ich abgeholt und alles ist bestens. Als ich die Kinder auf mich rennend sah, wusste ich, was ich wirklich brauche und liebe.

Im Nachhinein ein paar Gedanken.

Man kann bei der Vorbereitung übertreiben. Moskitonetz braucht man z.B. um die Jahreszeit offensichtlich nicht. Und wenn schon, dann kann man nach der ersten leidvollen Nacht dort vor Ort was kaufen. Dort gibt es ja letztendlich alles. Das gleiche gilt auch für alle möglichen Schutzmittel. Womöglich kauft man sich in Deutschland die Malariaprophylaxe. Aber auch das, denke ich, würde es dort geben, wahrscheinlich günstiger.

Auch die vermeintlichen Geschenke, die ich mitgenommen habe, waren meistens Unfug. Es zeigt nur, wie wenig Ahnung ich von dort habe. Als ob die Leute sich über ein Multivitamin oder ein Deo wirklich freuen würden. Sehr albern von mir. Was sich ausgezahlt hat, sind die Maoams bzw. kleine Süßigkeiten. Diese zur Hand in der Tasche und bei Gelegenheit verteilen ist eine sehr nette Geste. Alle haben sich darüber sehr gefreut. Ob ein Bonbon, Maoam, oder Ähnliches, ist irrelevant. Schokolade ist leider ungünstig, obwohl diese sehr gut ankäme, wegen des Wetters. Wenn man also weiß, man hat eine Möglichkeit zum kühlen, dann ist Schokolade was Feines.

Alle Leute warnten mich vor der Reise, dass es unsicher sein könnte. Mindestens haben die Leute gefragt, ob ich sicher wäre, dass ich das möchte. Ich habe nirgendwo gelesen, dass es unsicher ist. Aufgrund der vielen Fragen wurde ich skeptisch. Nun, nach drei Wochen Afrika, kann ich nur sagen, dass ich mich durchgehend ganz sicher gefühlt habe. Ehrlich gesagt frage ich mich, woher dieser Ruf kommt. Wieso erlauben wir uns, so einen Ruf zu akzeptieren. Ist es unsere Arroganz, Ignoranz oder ist es einfach Rassismus?

Wenn ich ein blonde Frau wäre, wäre ich wahrscheinlich genau so sicher. Aber es könnte lästiger werden. Denn als nicht so "blonder" Mann musste ich viel Ansprache höflich abbügeln. Wenn ich blond und weiblich wäre, müsste ich davon vielleicht viel mehr abwehren. Oder auch viel weniger. Ich sah Alleinreisende europäische Frauen. Ich meine, sie wurden nicht belästigt.

Leider ist es so, dass eher die Doofen einen ansprechen oder gar belästigen. Die netten und anständigen Menschen lassen einen so oder so in Ruhe. Sinnvoller ist es immer, finde ich, wenn man selbst die Leute anspricht.

Meine Meinung, die ich nur zur Hälfte auslebe, wurde bestätigt, dass man weniger Material, weniger Luxus und auch weniger Arbeit braucht, um glücklicher zu werden. Denn nur so hat man Zeit zum Rumhängen, Abhängen, Quatschen, sich treffen, Etc. Wenn man ein hübsches Haus haben möchte, dann arbeitet man wie ein Verrückter, um das zu ermöglichen. Und wenn Zeit bleibt, dann repariert und putzt man am Haus rum. Wenn das an sich Spaß macht, dann schön. Sonst ist es albern. Lieber ein kleineres, weniger hübsches Haus und dafür Zeit, es zu genießen. 

Auch die Sicherheiten, die wir meinen zu brauchen, könnten ein bisschen zu viel sein.

Ich bin aber realistisch geblieben. Es ist nicht so, dass meine Begeisterung für die Menschen in Afrika bedeutet, dass ich lieber dort leben würde. In Deutschland geht es uns und mir viel besser.

Zusammengefasst: ich bin so froh, dass ich diese Chance hatte. Ich bin meiner Arbeit und meinen Kolleg:innen dankbar, dass ich ohne Not weg dürfte. Noch dankbarer bin ich Sandra. Sie hat mich ermutigt, meine Reise zu machen. Sie sagte mir, und hatte Recht, dass ich diese Reise brauche. Die ganze Zeit hat sie alles erledigt ohne ein einziges Mal mir das Gefühl zu geben, dass ich ihr was schulde. Ich weiß aber, dass ich das tue. Und zwar sehr gerne :)

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