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Westafrika 4 Noakchott über Rosso nach St. Louis

Ich bin um sechs aufgestanden und habe alles eingepackt. Ich hab mein Moskito-Netz nochmals besprüht, gegen Mücken und hoffentlich Kakerlaken auch. Lästige Tiere. Papis kam von der Arbeit um 6:30 Uhr und bestand darauf, mich zum Bus zu fahren. Ich wollte am Anfang nicht, doch nun bin ich froh, dass ich es annahm. Denn er erkannte beim ersten Anbieter, dass die Fahrt ewig braucht, bis es losgeht, und fuhr mich zum nächsten Anbieter. Es war eine Firma, die es an den Wänden in großen Plakaten sehr betont hat, dass sie die modernsten Autos haben. Im Vergleich zu den anderen Autos, die rumfuhren, kann man das auch annehmen. Alles ist nun mal relativ. Hier ist mein Bus.

Während ich wartete, kaufte ich drei Baguettes und aß sie alle. Ich hatte einen großen Hunger. Gestern, nachdem ich den Mangosaft getrunken habe, wurde ich paranoid. Nicht, dass ich eine Lebensmittelvergiftung bekomme. Deswegen aß ich nichts mehr, um die Menge des Erbrochenen zu reduzieren. Es war dann doch alles in Ordnung und am nächsten Tag habe ich alle drei Brote gebraucht.

Die Fahrt war völlig in Ordnung. Auf dem Weg merkte ich, wie es südlich von Nouakchott grüner geworden ist. Also nicht richtig grün, nur ein bisschen grüner. Es gab immer wieder Bäume. 30 oder 40 km südlich gab es ständig und flächendeckend Bäume. Diese waren karg, dunkelgrün, und stachelig. Aber sie waren da und die Hügel waren nicht mehr kahl. Allerdings wachsen die Bäume dennoch aus dem Sand raus.

Ich könnte allerdings auch nicht richtig gut aus dem Fenster gucken. Es war voll.

In Rosso angekommen, bestand ich darauf, zum Grenzübergang zu Fuß zu gehen, und lehnte die Angebote, mit der Pferdekutsche hingefahren zu werden. Ich glaube, das war eine gute Entscheidung. Der Grenzübergang Rosso hat mir die ganze Zeit Angst gemacht. Alles, was ich bisher las, ist grauenvoll. Doch als ich dort ohne Begleitung ankam, habe ich auf dem Weg meine letzten Ugiyas gegen CFA getauscht und hab dann einen Schalter gesehen, über den es stand, dass es eigentlich für Autos ist. Ich fragte dennoch nach. Vollständig unproblematisch, bei Vorlage meines ausgedruckten Visums (danke Hani), bekam ich den Ausreisestempel innerhalb von 5 Minuten. Ich ging wie selbstverständlich zur Fähre und stieg drauf. Das kostete sogar gar nichts. Und 20 Minuten später bin ich in Senegal angekommen. Die Überfahrt war echt schön. Hier ein paar Fotos.

In Senegal angekommen, hat ein Polizist mir den Pass weggenommen. Während ich nachher in der Schlange stand, um die Einreise zu regeln (Reisepass sollte unabhängig von mir dorthin gebracht werden), kaufte ich eine Simkarte für Senegal. Schon bin ich online, bevor ich die Einreise erteilt bekam. Auch die Einreise hier war vollständig unproblematisch und ich bekam meinen Stempel sehr schnell. Der Mann, der mir die Simkarte verkaufte, hat dann ewig die Informationen aus meinem Passport aufgenommen. Es ist bürokratisch, aber weniger als in Deutschland. Dann bin ich ebenso zu Fuß zum Busbahnhof gegangen und schlug viele Fahrangebote ab. Das war wohl auch richtig. Es waren diesmal schon fast 2 km und die Zivilisation-Landschaft war vergleichbar mit Mauretanien. Nur nun gibt es kaum arabische Schrift, und alle Menschen sind schwarze Afrikaner. In Mauretanien gab es noch relativ viele Nordafrikaner.

Jetzt warte ich am Busbahnhof, bis die Fahrt losgeht, und schreibe hier. Leider ist es aber kein Bus, sondern ein echtes Auto-Wrack. Ich überlege mir, ob ich wirklich hier rein gequetscht werden möchte.

Nach zwei Stunden Wartezeit ging es los. Die Fahrt war dann sehr unbequem. Ich bekam den schlechteren Platz und war in der Ecke echt eingequetscht. Meine Wirbelsäule war sauer auf mich.

80 km und 1,5h später stieg ein Gast aus und ich wechselte den Platz. Nach weiteren 5 km stiegen weitere Leute aus, und die hintere Tür ging nicht mehr zu. Ich war dann allein auf der hinteren Bank, und der Fahrer hat lange versucht, die Tür mit Gewalt zu zu bekommen. Dann hat er ein Provisorium gefunden. Ich sollte einfach festhalten.

Ich hoffte, er fährt ins Zentrum. Erst spät habe ich bemerkt, dass er nach Süden weiter vom Zentrum weg fuhr. Ich ließ ihn anhalten und stieg aus. Alles dreckig von der Scheißkarre. Ich machte mich mit einem strammen Marsch zum Haus von Elhadji, meinem Gastgeber. Er hat mir die Position per WhatsApp geschickt und schrieb mir, dass seine Frau auf mich dort warten würde, um mir die Schlüssel zu geben.

Doch an dieser Stelle fängt St. Louis an. Das hebe ich für den nächsten Blog auf.

Kommentare

  1. Crazy sh... this car... You just made me laugh with your head in the car roof and finally as door holder. Have fun in St. Louis. Y.B.

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  2. Mega :-) Genau so sieht doch Abenteuer aus. Ich habe mich sehr amüsiert...

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    1. Sicher hast du es auch ein bisschen genossen. 😆

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