Mittwoch, 29. Januar 2025

Westafrika 7 Billy in Dakar

Billy holte mich ab und wir fuhren zurück zu seiner Wohnung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Das sind kleine Minivans und sind recht günstig. Ohne Billy wäre ich chancenlos, weil unklar wohin die Dinge fahren.

Bei ihm angekommen, habe ich mich geduscht und dann lagen wir beide auf seinem Bett. In seinem Zimmer gibt es das Bett, etwas Küchenutensilien, jede Menge hübsche Schuhe, einen Fernseher und sonst nicht viel mehr. Das Bad natürlich. Tagsüber gibt’s kein Wasser. Abends kommt das Wasser sehr schwach. Deswegen gibt’s einen großen Eimer im Bad, so dass man sich tagsüber bedienen kann. Man duscht da, wo die Toilette ist. Allerdings eine europäische Toilette, kein Plumsklo. Dennoch, durch diese Benutzungsart, ist das Bad immer nass Und man geht ins Bad mit Plastikschuhen, die vor der Tür stehen. Das war auch so in Nouakchott und St. Louis und ich denke, es bleibt so.

Eine übliche Studentenbude, würde ich sagen. Allerdings ist Billy kein Student, sondern Maler.

Ich wollte zu Gorée Island. Das fand Billy sehr komisch, weil sie so weit weg ist (17km; ich war am anderen Ende der Stadt). Ich wollte einen Spaziergang machen. Er bestand darauf, mich zu begleiten. Wir machten eine kleine Runde und dann anschließend direkt eine etwas größere Runde in seinem Revier. So hat er es genannt und er hat völlig recht. Der hat praktisch jeden am Straßenrand gegrüßt und sie haben ihn mit Namen zurück gegrüßt.

Dann saßen wir am Straßenrand 1 Stunde oder so und haben uns die Leute angeschaut. Jede Menge Leute kamen vorbei und haben ihn gegrüßt oder setzten sich kurz zu uns. Grundsätzlich waren all seine Freunde zu mir nett. Allerdings konnte ich sie kaum verstehen. Sie Sprachen Wolof oder Französisch, und wenn jemand ein paar Worte Englisch konnte, dann so schlecht, dass eine Kommunikation nur zu Missverständnissen führt.

Dann waren wir wieder in Billys Wohnung. Sein Bruder kam zu Besuch und die haben sich zusammen Videos auf TikTok angeschaut. Billy und ich konnten uns nicht viel unterhalten. Einerseits war sein Englisch zwar okay, aber nicht ausreichend für eine Konversation. Andererseits waren wir beide jeweils mit dem eigenen Handy beschäftigt. Ich langweilte mich trotzdem und ging auf das Balkon, so sieht es da aus.

Und diese Fliegen. Brrrr

Und hier im Treppenhaus. Im Grunde sind alle Bauten in Senegal so. Mauretanien ähnlich.

Mir wurde es noch langweiliger und ich wollte ungerne TikTok Videos anschauen. Ich sagte Billy, ich gehe für einen Spaziergang. Ich wollte ohnehin meine Kleidung zur Wäsche bringen. Er bestand darauf, mitzukommen. Einerseits war das super nett von ihm. Andererseits schränkte er mich ein. Denn er bestimmte die Route ganz genau. Wir haben dieselbe Route gemacht, offensichtlich wirklich sein Revier 😁. Wir haben häufig die selben Personen nochmals gegrüßt. Das fand ich interessant und auch lustig.

Wir brachten auch die Wäsche zur Wäscherei. Es gab ab und zu Wäschereien, die ausgeschildert sind. Billy brachte mich aber zu einer, wo nichts ausgeschildert war. Ich hätte gedacht, das ist ein Haus wie alle anderen. Dass die Türen von Häusern zur Straße hier offen sind, ist die Regel (anders als in Nouakchott). Billy sagte mir, ich soll nichts sagen, sonst treiben sie den Preis nach oben. Ich sagte, der Preis ist egal, Hauptsache morgen früh fertig. Ich hab praktisch alle meine Sachen gegeben, es waren vielleicht zwei Kilo Kleider. Ich meine, irgendwo gesehen zu haben, dass ein Kilo 250 CFA kostet. Kostenpunkt für mich jetzt 7000 CFA. Billy sieht aber nicht so aus, als ob er ein Betrüger ist. Als ich für ihn mal das eine oder andere Mal bezahlt habe, war es ihm nicht wirklich angenehm. Womöglich hab ich die Preise falsch verstanden beziehungsweise bei mir teurer, weil schnell und viele kleine Stücke sind. Oh Mann, diese Skepsis stört mich selbst. Am Ende egal, die fünf Euro zahle ich gerne, Hauptsache, die Kleidung sind wirklich morgen früh fertig. Denn ich wollte in den Saloum Delta fahren.

Dann haben wir Essen abgeholt. Es scheint, als ob man in Senegal wenig zu Hause kocht. Diese kleine Restaurants sind überall. Billy ging dahin, wiederum ein Haus ohne Ausschilderung, und holte sein Essen, als ob vorbestellt.

Dann wieder nach Hause. Wieder auf dem Sofa rumgehangen, gegessen (Fisch mit Reis und etwas Gemüse und anderem Zeig, SEHR lecker und etwas scharf), Fernsehen, TikTok und sonst nicht viel mehr.

Abends, so gegen 22:00 Uhr, als ich dachte, gleich geht’s ins Bett, sagte Billy, er habe großen Hunger (er ist drahtig). Wir gingen wieder raus und haben wieder fast dieselbe Runde gemacht. Nur dieses Mal trafen wir Freunde von ihm, die dann wahrscheinlich mit der Arbeit fertig waren. Ein paar Leute kamen zusammen und plötzlich waren wir eine Clique von zehn Männern (die alle sind jünger als ich). Wir zogen durch die Gassen und Billy und noch ein Kumpel von ihm haben sich einen Rap-Slam geliefert. Das war echt cool. Alle haben laut gelacht und haben Witze gerissen. Ich würde allerdings sagen, dass wenn zehn schwarze Männer laut lachend durch die Straßen ziehen würden, in Deutschland, dann wäre die Polizei schnell da. Ich muss auch zugeben, dass ich in Deutschland eine solche Truppe vermieden hätte. Nun sehe ich aber allerdings, dass sie vollständig harmlos sind. Die Frauen zogen an den vorbei, ohne irgendein Problem.

Apropos Frauen, im Mauretanien gab sie wenig. Hier sind sie wirklich die Hälfte des Bildes. Hier üben Frauen, so meine ich es gesehen zu haben, wie so oft in der Welt, die Arbeiten mit wenig Einkommen aus.

Apropos arbeiten mit wenig Einkommen, hier gibt’s auch Fußpfleger auf der Straße.

Apropos Füße. Ich habe bei Papis und auch bei Billy beobachtet, dass sie ihre Füße gut pflegen. Eincremen und so. In der Tat notwendig. Nach ein paar Tagen mit Flipflops und Sand und Hitze, taten meine Füße auch weh und waren etwas wund. Ich creme sie jetzt ein und ich merke den Unterschied. 😅

Zurück zur Clique. Danach saßen wir auf einer Treppe vor einem Laden, bestimmt 15 Männer. Einer, der neben mir saß, erzählte, dass er und der und jener nach Deutschland wollen. Ich sagte ihm, dass ich nicht denke, dass er in Deutschland glücklicher wäre. Die Leute sind hier nicht wirklich arm. Alle haben gute Handys und sind wohl ernährt. Sie lachen und haben schöne Zeiten zusammen. Ob sie ohne eine Ausbildung mit Zeugnis in Deutschland ein besseres Leben hätten, wage ich zu bezweifeln. Grundsätzlich habe ich das Gefühl, sie überschätzen die Lebensqualität in Deutschland und unterschätzen, was sie haben.

Dann fragte mich einer, ob ich verheiratet sei. Ich meinte, ja. Dann fragte ich ihn, ob er verheiratet ist. Er meinte, nein. Alle hier seien nicht verheiratet. Es ist fast Mitternacht. Verheiratete Männer wären um 8:00 Uhr zu Hause. Lautes, verachtendes Lachen. Passt!

Was ich auch über Senegal erzählen wollte, ist es, dass die Menschen gut aussehen. Ich fand viele Männer und auch Frauen attraktiv. Gerade wenn man den Sand und den Müll überall in Betracht zieht, sehen die Menschen dem gegenüber wahnsinnig gut gepflegt aus. Vor allem riechen alle Menschen hier gut. Bisher stank kein Mensch neben mir. Wenn ich was gerochen habe, Dann ein angenehmer Duft. Auch in Mauretanien.

Auch viele Frauen sind hübsch. Das mit dem Kopftuch hier nehmen manche ernst, andere viel weniger ernst. Es scheint mir, als ob sie eine leichte Version des Islams haben. Es gibt zwar überall Koranschulen. Es gibt aber auch viele Frauen, die ein lässiges Kopftuch tragen und sonst freizügig sind. Ich denke, dass für manche Frauen das Kopftuch bequemer ist als eine Perücke. Viele Leute scheinen hier mit ihren kurzbleibenden Haaren nicht ganz zufrieden zu sein.

Billy hat ein großes Doppelbett, auf dem wir beide schliefen. Es war eine sehr gute Nacht und ich schlief tief. Billy schnarcht nicht. Ich hoffe, ich auch nicht 😬.

Nun wach und ich habe Billy mit meinem Treiben ein bisschen genötigt, doch aufzustehen. Es ist schon 8:45 Uhr. Wir sind noch zu Hause. Ich wollte die Wäsche abholen und dann zum Busbahnhof, um dann nach Süden zu fahren. Die Fahrt ist 4-5 Stunden lang und ich wollte nicht riskieren, dass der letzte Bus heute ohne mich abfährt.

Noch kurz zu Dakar. Große Stadt, sehr voll, ähnlich gebaut wie San Louis, aber städtischer. Die Häuser sind dann eher zwei bis drei Etagen. Die Hauptstraßen sind mehr, und die sind asphaltiert und wahnsinnig voll, und haben Sandränder. Die Zwischenstraße sind alle sandig wie bisher in allen Städten. In Dakar fahren aber eher Pferdekarren rum. Offenbar mehr Geld als in St. Louis und Noakchott 🤣, wo Eselkarren häufig waren. Es gibt auch öffentliche Busse mit vielen Linien.

Ich habe darauf verzichtet, irgendwelche Sehenswürdigkeiten in Dakar zu besichtigen. Ich war sehr glücklich, dass ich das Leben von Billy mit erleben dürfte. Wie er mit seinem Kumpeln umgeht, wie er alle Leute auf der Straße grüßt, wie er rapt, wie er mit seiner Freundin telefoniert und wie er so seinen Tag verbringt. Er und viele andere wollen nach Deutschland. Weiterhin denke ich, dass sie nicht unbedingt glücklicher werden werden. Das Leben hier ist ein anderes als in Deutschland. Vielleicht werden die Leute verblendet von den bunten Fotos im Fernsehen. Doch andererseits habe ich mir auch das Leben in Deutschland ausgesucht. Wobei mein Leben in Syrien nicht wie das von Billy wäre. In Syrien hätte ich den Nachteil der schwachen Infrastruktur und der „Armut“ und der „Nachteil“ des fleißigen Arbeitens wie in Deutschland gehabt. Ich bin mit meiner Wahl also sehr zufrieden. Wenn ich aber ein Billy wäre, dann hätte ich mich wahrscheinlich nicht nach Deutschland gemacht.

Billy fragte mich, ob ich frühstücken möchte. Ich hatte Hunger. Er nahm mich zu einem kleinen Restaurant. Es war ein Raum und ein großer Tisch in der Mitte und zwei ältere Frauen haben dort Baguette geschmiert. Um den Tisch rum saßen nur Männer, offenbar Arbeiter, die die Brote vor Ort bestellen und dort essen. Auch ich saß dort und habe zwei große Brote gegessen. Sie waren super lecker. Ebenso etwas Scharf. Dieses Mal ohne Fleisch. Es war Zwiebel und Fett und ein gekochtes Ei. Dazu gab es einen Tee, der nicht genießbar ist.

Ich bestand darauf, den Bus zur Start-Station nach Süden zu nehmen. Billy versuchte, mich zu überzeugen, ein Taxi zu nehmen. Als ich sagte, wenn keine Busse fahren, dann laufe ich. Es sind nur 5 km, ist er aus allen Wolken gefallen und wartete doch mit mir auf den Bus. Es dauerte zwar 20 Minuten, bis der Bus kam. Doch das war eine Linie, die direkt zur Station fährt. Linie 52.

Im sehr überfüllten Bus waren die Leute wieder, zu meiner Überraschung, wohl riechend. Ich kenne es aus überfüllten Bussen anders 😏

Hier noch ein paar Fotos aus Dakar von der Busfahrt.

In der Busstation hat mich Billy nochmals wie ein kleines Kind geführt. Ich dachte, es war super schön mit ihm, aber gut, dass ich jetzt wegfahre. Ich hatte das Gefühl, ich kann nicht das machen, was ich möchte. Ich bin dann trotzig in eine andere Richtung gegangen, um zu schauen, welche Busse wohin fahren. Da schrie er mir hinterher und sagte, ich soll mitkommen woanders sind die richtigen Busse 😅. Auf dem Weg hat er meine Hand nach unten gedruckt, weil ich sie hoch mit dem Handy hob. Dabei hat er sein Handy immer draußen in seiner Hand und schaut sich Videos an. Diese Bevormundung fand ich ein bisschen zu viel. Doch andererseits kann ich mir vorstellen, dass er nicht riskieren will, dass ich schlechte Erfahrungen mache. Oder er denkt, dass ich unbeholfen bin. Ich sagte ihm, Billy, ich bin in Damaskus aufgewachsen. All das kenne ich schon. Er lachte mich an. Ich glaube, er hat mich nicht verstanden. Am Bus angekommen, war der Preis klar, sogar mit Beleg. Es war nicht wirklich teuer. Das war der Bus nach Karang, an der Grenze zu The Gambia. Circa 30 km vorher werde ich aussteigen. Hier ist der Bus, der nach der obligatorischen Wartezeit, bis er voll wird, doch losgefahren ist.

Dienstag, 28. Januar 2025

Westafrika 6 Saint Louis to Dakar

Ich hätte rechtzeitig einen Platz im Bus reservieren sollen. Ein Tag vorher war der Bus ausgebucht. Jedenfalls ist das die Information, die ich vom Reiseführer Babacar bekam. Ich denke, er hat die Wahrheit gesagt. Die andere Möglichkeit ist Sept-Taxi (also viele Leute in ein Auto-Wrack eingequetscht). Doch alle haben mich davon abgeraten, weil das eine lange Reise ist. Die weitere/letzte Möglichkeit ist die sogenannte Alo Taxi. Besseres Auto und weniger Leute. Ich denke, der Reiseführer, der mir beim Buchen half, hat für sich was behalten. Na gut. Mindestens dürfte ich ganz in der Nähe von meiner Unterkunft einfach warten, bis ich abgeholt werde. Neben mir im Foto ist übrigens diese lästige Koranschule, die die ganze Nacht Taraa gemacht hat.

Das Auto kam und weil ich der Erste war, saß ich sogar ganz bequem vorne. Es war zwar ohne Klimaanlage, aber wir sind ja im Januar. Wenn es dunkel ist, braucht man, wie ihr sieht, was dickeres. Tagsüber angenehme 30grad. Es war nie schwül bisher

Das Risiko, was sonst durch die Fahruntüchtigkeit der Autos entsteht, hat unser Fahrer sehr gut durch Rasen und sinnloses Überholen vervielfacht. Es folgen ein paar Fotos des Wegs. Nichts besonderes. Es ist eher eine Savannah-Landschaft. Ein bisschen grüner als Süd-Mauretanien. Ich nahm an, Senegal wäre viel grüner. Alle 10 km, so wie in Mauretanien, ein Militärcheckpoint. Das ist echt schade mit dieser Militär. Die Länder haben keine Kriege und keine offenen Konflikte mit den Nachbarn. Es sind Militärregime an der Macht. Diese wollen sich wahrscheinlich zeigen. Mir fällt kein anderer Grund ein, wieso wir so oft anhalten müssen, weil irgendein blöder Check-Point da ist.

Ab etwa der Hälfte der Strecke war es eine Autobahn mit Maut. Ganz schick. Deutsclandsniveau. Am Ende kamen wir in Dakar an. Etwas grüner. Von Anfang an war es klar, das ist ein Moloch. Wir standen sogar kurz im Stau.

Ich wurde irgendwo abgesetzt und sollte ein Taxi nehmen, um zu Face Mbao zu kommen. Dort wollte Billy, mein Gastgeber in Dakar, mich abholen. Das hat geklappt. Ich konnte sogar in der Wartezeit mein Handy wieder aufladen (4,5 Giga für 2000 CFA = ca. 3€).

Dann kam Billy, ganz zuverlässig, und holte mich ab. Ein angenehmer Typ. Mehr dazu im nächsten Blog.

Westafrika 5 Saint Louis

In St. Louis fand ich bei Elhadji Unterkunft. Danke, Elhadji, für dein Vertrauen.

Als ich aus dem Höllen-Auto Ausstieg, war ich schon relativ weit weg im Süden der Stadt. Andererseits dachte ich mir, das ist eine gute Gelegenheit, die Stadt kennen zu lernen.

Das war es wert. St. Louis gab mir den Eindruck, eine Kleinstadt irgendwo in Syrien zu sein. Die Stadt erstreckte sich nicht über eine große Fläche. Zwischen einem See und dem atlantischen Ozean gab es nicht viel Platz. Aber genug für Bürgersteige.

Übrigens, in Wahrheit gibt es IMMER irgendwelche Leute auf der Straße. Nur warte ich, bis sie weg sind, so dass ich sie nicht mit meinem Fotografieren belästige.

Vom Festland ging ich über die bekannte Brücke Ichhabedennamenvergessen auf die längliche, parallel zum Festland laufende Ile de Saint Louis. Das ist wohl eine UNESCO Weltkulturerbe.

Elhadji wohnt aber auf einer Insel weiter. Parallel zur Ile de Saint Louis gibt es eine weitere längliche Insel, 100 m breit und mehrere 10 km lang. Auf der wohnen eher Fischer und sie ist viel ärmlicher.

Für beide Insel gibt es auch lokale Namen, die ich mir nicht merken konnte.

Die erste Insel ist offenbar die feinere Insel. Zum ersten Mal sehe ich europäische Touristen. Es gibt einige Bars und Hotels. Die Straßen sind gepflegt und relativ sauber. Es gab sogar Souvenirläden, die echt schöne Masken und Skulpturen afrikanischer Kunst verkauften. So schade, dass ich keinen Platz habe und nichts mitnehmen kann.

Dann ging ich über die Brücke zur äußeren Insel. Diese war wesentlich ärmer. Allerdings viel lebendiger. Überall wuselten Kinder und es gab echt viele Menschen auf der Straße. Esel, Pferde, Kühe, Schafe und jede Menge Ziegen fehlten natürlich nicht. Es war eine sehr angenehme Atmosphäre.

Dann erreiche ich das Haus von Elhadji. Seine Frau, Fatou, zeigte mir meine Unterkunft. Ich habe quasi ein Apartment für mich allein.

Und habe mich direkt schön eingerichtet 😊

Ich lag unter meinem Moskitonetz (nur ein paar Fliegen waren da, nichts schlimmes) und hab mich ein bisschen ausgeruht. Und dann dachte ich mir, krass, das sind Wellen. Ich hörte das Meeresrauschen vom Atlantischen Ozean. Geil!!! Ich machte mich auf dem Weg.

Der Strand ist unglaublich schön. Die langen Boote sind auch typisch für diese Gegend. Allesamt sehr schön bunt bemalt. Leider machte der Müll am Strand schon was aus und ich konnte den Strand nicht richtig genießen.

Das finde ich wirklich schade mit dem Müll. Die Menschen hier haben einen wesentlich kleineren Fußabdruck als wir in Deutschland. Doch dieser kleine Fußabdruck ist zu offensichtlich. Bio Material gibt es unter dem Müll wenig, denn die Ziegen essen alles, was mal eine Pflanze war und den Rest essen die Streuner, Katzen oder vielleicht die Möwen. Müllabfuhr gibt es auch, das habe ich selbst gesehen.

Es war dann richtig windig und auch „kalt“, vielleicht so 17 grad. Es ist ja immerhin Januar und wir sind auf der nördlichen hälfte der Erde.

Ich setzte meinen Spaziergang über beide Insel, durch Märkte und Gassen, bis es dann dunkel wurde. Die Straßen sind voll mit Menschen, die guter Laune sind. Alle lachen. Viele junge Leute. Es machte echt Laune, dabei zu sein. Alle sind sehr freundlich. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, dass ich unsicher bin (auch nicht in Mauretanien oder unterwegs). Hier sind ein paar Fotos.

Und so sieht es aus, wenn ich vor meiner Unterkunft eine Zigarette rauche.

Für den Schlaf zog ich alle meine Kleidung an, denn ich hatte keine Decke. Es war eine schöne Nacht. Meeresrauschen. Aufgeweckt von einem Hahn. Dann wurden die Straßen wieder belebt. Kinder, meckernde Ziegen, sich unterhaltende Menschen. Die Schallisolation ist nicht vorhanden, so fühlte ich mich mit den Menschen draußen, beinahe.

Elhadji schrieb mir, dass ich mein Zimmer räumen muss. Er hat es über Airbnb vermietet und habe vergessen, dass die Zeiten sich überschneiden. Ich packte meine Sachen zusammen und zog über die Straße in sein Haus, quasi in das Arbeits- und Gästezimmer. Zur Toilette muss ich über das Schlafzimmer der Eltern durch. Das fand ich ein bisschen unangenehm, zumal Fatou, die Frau von Elhadji, Kopftuch trägt und überall an den Wänden Bekenntnisse zum Islam gibt. Andererseits bin ich an einem anderen Islam gewöhnt, der viel strenger ist. Offensichtlich.

Dann ginge ich aus. Zum Strand. Es war bestes Wetter. Ich sah in der Ferne eine Menschentraube. Da dachte ich mir, wo Menschen gibt, wird es interessant. Ich ging dorthin und hab mich hingesetzt und beobachtet. Es waren wohl diese langen Boote bei der Arbeit. Hier ist ein Foto, wie sie auf „hoher“ See sind.

Und wenn sie was gefangen haben, dann fahren sie zurück ans Land. Ein Boot auf einmal. Wenn das Boot ankommt, rennen alle Menschen zu dem. Die Fische werden entladen in die Pferde-Holzkarren. Dann werden die Fische irgendwo hinweg gefahren. Es bleiben aber offensichtlich dennoch genug Fische, die auf die Menschen, die dort sich ansammeln, abfallen. In der Regel, leider wieso oft für schlecht bezahlte Arbeiten, Frauen. Diese Frauen tragen Eimer mit sich und Bekommen Große Fische. Ob sie diese kaufen, oder geschenkt bekommen, konnte ich nicht erkennen. Jedenfalls warten die Menschen dann aufs nächste Boot, dass ebenfalls kommt, ein paar 100 Kilo Fisch entlädt, und die restlichen Fische auf die Menschen/Frauen verteilt.

Dann habe ich noch eine Runde durch die Stadt gemacht. Ich suchte im Grunde nach einem Mittagessen. Doch die Gassen boten das nicht an. Es gab immer wieder diese Küchen, die aber eher zum Takeaway sind. Es sieht so aus, als ob viele Menschen ihr Mittagessen dort kaufen, anstelle es zu Hause zu kochen. Eine schlaue Idee.

Und überall sieht man die Armut. Die Leute sind aber nicht so arm, dass die hungern. Ich bin mir sicher, dass alle hier gut ernährt sind. Jedenfalls sehen sie so aus. Außerdem gibt es wohl immer genug für die Ziegen und Schafe in der Stadt. Aber es war Schulzeit, und es gab Kinder, die auf der Straße waren. Es gibt immer wieder, wenn auch viel weniger als ein Europäer denkt, bettelnde Kinder. Bettelnde Erwachsene gibt es praktisch nicht. Es gibt viele Leute, die nur rumlungern oder Sachen anbieten, die offensichtlich kaum Geld bringen würden. Wahnsinnig viele Verkäufer, die Kleinkram verkaufen. Leute, die mit Socken oder Gürtel durch die Straßen gehen und diese versuchen los zu bekommen. Ich muss zugeben, dass ich mit dem Gesamtbild mit mir im Reinen war. Ja, das ist viel ärmer als in Deutschland. Doch ist reich das Ziel und ist es dann überhaupt meine Aufgabe? Oder ist das eine Sache, die die Menschen hier für sich entscheiden müssten, welches Leben sie leben wollen. In Europa ist es auch stressiger, es gibt keine Zeit, es gibt hohe Ansprüche, es gibt hohe Erwartungen und ein sehr hohes Bedürfnis an Sicherheit (man denke nur an die ganzen Versicherungen, die wir haben).

Dann fande ich zu essen. Ich sah nämlich, dass am Straßenrand viele Frauen Baguettes verkauften, die sie vor den Kunden geschmiert haben. Ich stellte mich ran und sagte, dass ich das gleiche haben will. Dann fragte sie mich, ob dies oder jenes das Gleiche sei. Das eine war für 300 das andere für 800. Ich als reicher Europäer nahm natürlich das für 800. Das ist mit gegrilltem Fleisch. Sie schnitt das Baguette auf und beschmierte es mit irgendeinem Fett, mit gerösteten Zwiebeln in Öl, Fleischstückchen und dann noch Tomate und Salat. Die beste Mischung für das Magenverderben. Egal, es sah lecker aus und ich hatte Hunger. Ich esse seit zwei Tagen nur Baguette, ohne Nix.

Das Baguette war lecker, etwas scharf. Aber für mich erträglich und ich habe es genossen. Ich setzte mich auf eine Bank hinter der Frau und habe sie und die ganzen Menschen beim Wuseln beobachtet. Übrigens, direkt links von der Frau gibt es einen Mann, der gehackte Zwiebel verkauft. Du kannst ihm deine Zwiebeln geben und er hackt sie für dich, oder du kaufst eine Tüte bereits gehackte Zwiebeln. Sie essen viel Zwiebel hier. Der Sack neben ihm kommt übrigens aus der Niederlande. Und direkt daneben, in der Blechhütte, ist ein Fleischer. Bei ihm würde ich niemals Fleisch kaufen, denn das sah eklig aus. Jedoch wahrscheinlich esse ich gerade sein Fleisch, dass ich nicht selbst gekauft habe, sondern die Frau, die mir das aufs Brot brachte.

Dann habe ich Ile de Saint Louis vom Norden nach Süden gestreift und habe praktisch alles gesehen, was auf der Insel ist. Nicht so viel.

Dann fande ich einen Geldwechsler und habe direkt 100 $ gewechselt. Ich dachte, mit der Geschwindigkeit, mit der ich bisher Geld ausgegeben habe, könnte mir das für die ganze Reise im Senegal ausreichen. Später am Tag wird es sich zeigen, dass ich stark daneben lag. Ich nahm das Geld und ging direkt in die Kneipe neben dem Wechsler für zwei kalte Biere. Ein Bier drei Euro. Europäischer Preis, aber ja nun. Der Besitzer der Kneipe ist ein Franzose, Marc. Ich fragte ihn, ob es sich lohnt zum Nationalpark zu fahren, wo die ganzen Vögel sind. Er meinte ja und rief sofort einen Reiseführer, den er kannte, an. Er sei gut. Der Reiseführer war nach 5 Minuten da und hat mir erzählt, so ein Ausflug wäre morgen und würde 5-6 Stunden dauern, davon drei im Auto. 40.000 CFA (fast 70 €). Alternativerweise kann ich jetzt direkt mit ihm kommen. Er nehme zwei Italiener auf eine Bootfahrt Richtung Süden. Bis zum Treffen des Flusses Senegal mit dem atlantischen Ozean. Man sehe auch Vögel, aber keine Krokodile. Das dauert zweieinhalb Stunden und kostet 20000 CFA. Das war eine bessere Idee und so habe ich das gemacht. Hier sind ein paar Fotos.

Ich war froh, dass ich mit ihm die Reise am nächsten Tag nicht gemacht habe. Er war kein guter Touristenführer. Dann ging er mit uns in die Kneipe und hat versucht, mir zu helfen, einen Platz im Reisebus nach Dakar zu bekommen. Es sei günstig und bequem und vor allem sicher. Der Bus sei voll gewesen. Dann hat er mich bequatscht, eine andere Transportmöglichkeit zu nehmen. Sammeltaxi. Mal ohne die vielen Details: Am Ende hab ich zugeschlagen für 20.000 CFA. Das Auto würde mich von zu Hause abholen. Um sechs in der Früh. Ich war ein bisschen in Sorge, dass das ganze eine Farce ist. Egal. Ich zahlte aus Versehen für alle. Dann schlug er vor, dass wir alle in eine senegalesische Kneipe fahren. Das taten wir. Das war tatsächlich ein Erlebnis. Allerdings war ich etwas betrübt, weil einerseits ich nicht sicher war, ob das morgen alles klappen würde. Andererseits hat mir Elhadji Stress machte. Er bat mich um Geld. Es waren nur 5000 CFA, was nicht viel ist. Aber dennoch unanständig. Und dann alle halbe Stunde eine Nachricht, wann ich zu Hause sein werde, weil seine Frau ganz dringend das Geld braucht. In der Kneipe kamen allerlei Menschen zu uns an den Tisch. Es sahen für mich so aus, als ob sie alle Freunde vom Reiseführer Babacar sind. Unter anderem eine Francoise, halb aus Frankreich, Halb aus Togo, lebt in Senegal. Sie sagte, sie fährt morgen auch nach Dakar und wir sollten die Nummer tauschen, so dass wir vielleicht gemeinsam was unternehmen.

Mein Geld war dann alle 🤪. 100$ an einem Tag. Darin war allerdings ein Fischgericht in der Kneipe. Sehr lecker! Auch etwas schärfer für meinen Geschmack, aber gut erträglich. Der Fisch war praktisch ohne Gräten, und ich aß den mit Haut. Lecker! Das Grünzeug habe ich dann nicht gegessen, sicherheitshalber. Bis jetzt habe ich im Bauch alles im Griff.

Letztendlich habe ich die Kneipe verlassen, Mit den Italienern zusammen. Ich nahm zum ersten Mal in dieser Reise ein Taxi nach Hause. Ich wollte endlich zu Hause sein, um die Scheiß 5000 an die Frau von Elhadji zu geben und andererseits soll mich der Taxi dorthin absetzen, wo ich am nächsten Tag abgeholt werden werde.

Doch hier sind ein paar Fotos aus der Kneipe. Der Billardtisch ist nicht auf dem Foto. Ich wurde genötigt, für eine Partie zu zahlen und gegen jemanden zu spielen. Ich verlor beziehungsweise ich ließ ihn gewinnen, weil es sich angedrohte, dass ich weiterspielen muss, sollte ich gewinnen 🤣

Zu Hause angekommen, empfing mich Fatou. Sie nahm das Geld an und war ein bisschen unfreundlich. Doch als ich fragte, ob ich das Bad benutzen darf, sagte sie ja und machte das Schlafzimmer frei. Ich ging ins Bad und hab mich geduscht (mit Eimer und Kelle) nach dem langen anstrengenden Tag. Im Bad gibt es kein Licht, ich behalf mir mit dem Handy. Als ich fertig war, sah ich an der Wand eine riesengroße Spinne. 10cm oder mehr. Süß. Ich ging raus und drehte mich um und sah, dass ich wahrscheinlich den Boden mit Sand dreckig gemacht habe. Allerdings fand ich keine Möglichkeit, das weg zu wischen. Ich war sowieso ein bisschen sauer auf meine Gastgeber. Hinzu ist die Kommunikation mit Fatou aufgrund der Sprachbarriere praktisch null. Ich ließ es und ging ins Zimmer und fand, dass Francoise mir 50 Nachrichten geschickt hat. Sie sagte, der Reiseführer verarscht mich und würde mich betrügen und ich soll das mit ihm lassen. Dabei dachte ich, sie ist eine Freundin von ihm. Und sie sagte, dass ich unbedingt jetzt sofort zu ihr kommen soll. Dann schlafen wir miteinander und ich schlaf dann bei ihr und morgen fahren wir zusammen nach Dakar. Das war komisch. Ich antwortete nett und ablehnend. Sie ließ nicht los und hat ihre Bedürfnisse mehrfach betonend wiederholt, bis ich später etwas harscher wurde. Bei sowas weiß ich nicht genau, wer von den zweien, Babacar und Francoise, mich verarscht. Oder sogar beide. Ein bisschen unangenehm, sich ohnmächtig zu fühlen.


Es war dann eine schlechte Nacht. Ich schlief kaum, weil on top noch in der Moschee beziehungsweise Koranschule nebenan irgendeine religiöse Veranstaltung gab, die die ganze Nacht (wortwörtlich die ganze Nacht) laut sangen. Kulturell interessant, aber ich war hundemüde. Um fünf stand ich dann auf, und hab meine Sachen eingepackt. Ich musste Fatou aufwecken, so dass sie mir die Tür unten aufmacht. Sie war wieder unfreundlich. Doch wer kann das ihr übel nehmen.

Unter dem Strich war St. Louis eine interessante und schöne Erfahrung. Das ich am Ende etwas betrübt war, fand ich schon währenddessen nicht schlimm. Ich wusste, es ist ein bisschen zu viel Geld und ein bisschen Nerven, die vergeudet werden. Doch ich wusste auch, dass nichts davon mich umbringen würde. Ich freue mich jetzt schon, euch das später in Details zu erzählen. 😇🤣

Nun schreibt mir Elhadji jede Stunde, dass ich ihm eine positive Bewertung bei Couchsurfing geben soll 🙄 Ich bin unentschlossen, was ich ihm schreiben soll 🤪. Ideen?

Babacar erkundigte sich mehrmals, ob bei mir alles gut gegangen ist. Das fand ich nett, obwohl ich doch sicher bin, dass er mich über den Tisch zog. Von Francoise habe ich zum Glück nichts mehr gehört.

ende gut, alles gut!

Dubai

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